Orgel

Die romanische Pfarrkirche St. Andreas von Ostönnen besitzt ein historisches Orgelwerk, das in seiner Art wohl einzigartig ist. Offensichtlich hat der Orgelbauer Johann Patroclus Möller um 1722 ein sehr viel älteres Werk, das er bei einem seiner ersten Aufträge aus der St. Thomae-Kirche in Soest für 50 Reichstaler in Zahlung nehmen musste, nach Ostönnen transferiert. Die Kosten für die Kirchengemeinde Ostönnen betrugen für das Instrument nach Reparatur (wahrscheinlich wurden Windlade und Prospekt sowie einige Register erneuert) und Aufstellung 200 Reichstaler. Im Zuge dieser Umstellung hat er mit möglichst wenig Aufwand und unter Verwendung vorhandener Teile ein zeitgemäßes, aber für den Bedarf der Gemeinde ausreichendes Werk geschaffen.

Bis dahin gab es – zur Begleitung des Gemeindegesanges – seit 1685 wahrscheinlich ein kleines Positiv in St. Andreas. Die Orgelweihe fand am 10.11.1722 statt. Der Text der Orgelweihe lautete: Victoria – die Orgel ist da. Dieses Fest wurde dann auch “solemniter beschmauset”.

Danach gab es verschiedene Reparaturen in den Jahren 1727, 1739, in denen die Bälge neu geledert wurden, von 1741 – 1760 eine neue Tastatur durch Fromme, 1792 eine Reparatur durch den Orgelbauer Schöning, ab 1830 drei Reparaturen durch einen Orgelbauer aus Beckum. 1888 wurde eine neue Spielmechanik eingebaut.

1874 hatte man dieOrgel über den Altar gestellt, vorher war sie auf einer West-Empore, die nicht mehr vorhanden ist, aufgestellt.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges sollte die Orgel an die Kirchengemeinde Maria zur Wiese in Soest verkauft werden. Diese Pläne zerschlugen sich.

1963 wurde die Orgel durch die Orgelbaufirma Ott (ein renommierter Orgelbauer, bekannt für mechanische historische Systeme) wieder zurück nach Westen in den Turm gesetzt.

Der Zustand der Orgel ist ein gewachsener Zustand. Sie ist mehrschichtig, es gibt mindestens 2 Schichten: teils von 1721, teils früher; das Pfeifenwerk könnte zum Teil noch aus gotischer Zeit stammen (Meister Bartholdus hat 1582 in St. Thomä gearbeitet). Nach neuester Expertenmeinung (Theobald, Bonn und van Deijk, Utrecht) gehört die Orgel in Teilen sicherlich zu den ältesten Instrumenten, die es im mitteleuropäischen Raum überhaupt gibt. In der Orgel befinden sich Bauteile, die in die Zeit weit vor der Reformation zurückreichen.

Eine sicher notwendige Restaurierung sollte erst nach ausführlichen Untersuchungen, Einbeziehung aller erreichbaren Archivhinweise, Dokumentation des Pfeifenwerkes usw. und der erst dann möglichen Diskussion zum Umfang der Restaurierung Ziel sein.(Schwartz,1999)

Literatur:

1. Rudolf Reuter; Die Orgel in der Denkmalpflege Westfalen 1949-1971, Kassel 1971, Seite 72

2. Arno Schönstedt; Alte westfälische Orgeln, Gütersloh 1953, Seite 28-40

3. Hildegard Gocke; Der Orgelbau in den Kreisen Soest und Arnsberg um 1800, Dissertation 1935

4. Klaus Döhring; Johann Patroclus Möller in: Barocke Orgelkunst in Westfalen – Barock in Westfalen, zum 300 Geburtstag von Johann Conrad Schlaun, hrsg. von Hannalore Reuter, Soest und Münster 1995

5. Klaus Döhring; Johann Patroclus Möller (1698-1772) in: Ars Organi 1998, 46. Jhrg., Heft 2, Seite 88-97