Kirche

Die Evangelische St.-Andreaskirche Ostönnen ist sehr alt. Seit über 800 Jahren steht sie nahezu unverändert in der Mitte Ostönnens. Urkundlich wurde die Ostönner Kirche zum ersten Mal im Jahr 1169 erwähnt. In diesem Jahr erlangte Wegolin von Tiunen vor dem Synodalgericht in Soest einen Urteilsspruch über sein Freigut bei der Kirche von Ostönnen. In der Urkunde heißt es:

„Unter Philipp von Heinsberg, Erzbischof von Köln und Erzkanzler von Italien wird bekundet, … daß Wegolinus de Tiunen in seiner, der Kölner Prioren, des ganzen Kapitels von Soest und vieler Edler Gegenwart, einen endgültigen Synodalspruch erlangt habe, wonach er statt des Zehnten von seinem Freigut zu Tiunen, gelegen bei der Kirche in Hostinen,Themo von Soest nur 6 sol. Soester Münze jährlich zu zahlen brauche…“

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Mit dieser Urkunde ist jedoch nicht gesagt, daß Ostönnen erst in diesem Jahr zu einer Kirche kam. Die gottesdienstliche Tradition in Ostönnen ist bedeutend älter. Unsere heutige Kirche hat sicher zwei ältere Kirchen abgelöst. Ein steinerner Vorgängerbau läßt sich rekonstruieren, da das jetzige Kirchenschiff auf noch älteren Fundamenten ruht. Bei Heizungsarbeiten wurde zudem eine dicke Brandschicht im Boden entdeckt, die auf eine weitere Vorgängerin in Holzbauweise schließen läßt

Das Äußere der Kirche ist bestimmt durch die Maßnahmen der Denkmalpflege 1978-79. Der bedrohte Turm mußte gänzlich saniert werden. Dabei stellte man alle vermauerten Fenster und Nischen der Außenwand wieder her. Die ganze Kirche wurde verputzt, und man gab ihr das vermutlich ursprüngliche Farbgewand wieder. So strahlt sie jetzt wieder weit in das Land.

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Turm

Der Kirchturm ist wohl älter als das Kirchenschiff und unabhängig von ihm entstanden. Dafür spricht, daß er mit dem Langhaus der Kirche in keinem festen Mauerverbund steht. Im Turmaufgang kann man deutlich sehen, wie die Kirche an den Turm angebaut worden ist. Man sieht dies auch gut an der Fensteranlage der Ostseite des Turmes, die keinerlei Rücksicht auf das Dach des Langhauses nimmt. So öffnet sich ein Ostfenster des Turmes in den Dachstuhl der Kirche. Der mächtige quadratische Turm steigt in 5 Stockwerken von je 4,50 m Durchschnittshöhe empor. Gegliedert ist der Turm in den vier oberen Stockwerken durch je drei Rundbogenfenster, deren Mittelsäulen steile attische Basen haben. Die Errichtung des Turmes ist in der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts anzusetzen.

Glocken

Im Turm der St.-Andreaskirche hängt eine der ältesten Glocken der Soester Börde. Sie wurde am Tag der Geburt Johannes des Täufers (24. Juni) 1306 gegossen und trägt die Umschrift:

RECTOR COELI NOS EXAUDI.
TU DIGNARE NOS SALVARE.

Herrscher des Himmel erhöre uns.
Du bist würdig uns zu erlösen.

Die beiden anderen Glocken sind Ersatz für im ersten Weltkrieg abgegebene Glocken. Sie wurden 1919 gegossen und sind qualitativ sehr schlecht (porös mit Luftblasen). An der Südseite des Turmhelms hängt außen noch die spätgotische Uhrglocke von 1513 mit den Namen „Maria“ und „Anna“ (die Mutter Mariens).

Kirchenschiff

Ordnet man die Kirche von OstöKirchenschiffnnen in die Baugeschichte der Soester Kirchen ein, kommt man für das Kirchenschiff ungefähr auf ein Entstehungsjahr um 1150. Betrachten wir nun den Innenraum der Kirche, so atmet er Strenge und Ruhe. Die Kirche ist nach dem einfachen romanischen Basilikenschema errichtet: Erhöhtes Mittelschiff mit zwei niedrigeren Seitenschiffen. An das Mittelschiff schließt sich, ohne jede VerjünKirchenschiffgung, also in gleicher Breite und Höhe wie dieses, das Chorviereck an, dem weiter nach Osten die halbkreisförmige Apsis vorgelagert ist. Chor und Turmquadrat haben dabei fast dieselben Maße wie die Quadrate des Hauptschiffes (5,20 m).

Der Stützenwechsel zwischen Pfeiler und Säulen im Mittelschiff verleiht dem Innenraum einen strengen Rhythmus. Eine Besonderheit ist, daß man nicht nur eine Säule als Zwischenträger genommen hat, sondern zwei 2,40 m hohe Säulen nebeneinandergestellt hat und diese mit einer gemeinsamen Deckplatte zusammengefasst hat. Diese Doppelsäulen findet man gewöhnlich nur in Kreuzgängen.Säulen

Bei aller Schlichtheit der Innengestaltung ist aber besonders auf die figürliche Ausgestaltung der Kapitelle im Nordschiff und den ornamentalen Schmuck im Südschiff zu achten.

Kapitelle

 

 

 

 

Bis auf den Sakristeianbau des 19. Jh. an der Südseite hat die Kirche keine weiteren baulichen Veränderungen erfahren. So begegnet uns in der Ostönner Kirche ein bedeutendes, stilrein erhaltenes Denkmal der mittelalterlichen Baukunst Westfalens.

Chorraum

Die Apsis ist Anfang des 13. Jh. ausgemalt worden. Die Freskenmalerei folgt der Tradition des Soester Zackenstils, ist aber leider durch die Jahrhunderte und spätere Übermalungen stark in Mitleidenschaft gezogen.

In der Mitte ist Christus als Weltenrichter (Pantokrator) dargestellt. Er sitzt auf seinem himmlischen Thron und ist umgeben von einem mandelförmigen Glorienschein. Seine rechte Hand hat er zum Segen erhoben, in der linken hält er ein Buch – die Bibel. Der ChorraumNimbus und eine große Mantelschließe vor der Brust sind in den Putz eingetieft. In diesen Putzvertiefungen finden sich Reste von roter Farbe. Vielleicht dienten sie als Untergrund für Vergoldungen.

Begleitet wird Christus von den vier Wesen: Engel, Löwe, Stier und Adler, den Zeichen der vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Hinzu treten vier weitere Gestalten (von links): ein Bischof, dann eine Frau, wohl Maria; dann weiter rechts wohl ein junger Mann, zu erkennen an einer blonden Haarlocke, er hat ein Vortragekreuz bei sich und stellt wahrscheinlich den Jünger Johannes dar; als letzte steht eine Frau mit einem Palmzweig in der Hand als Zeichen der Märtyrerin. Sie alle feiern schon den himmlischen Gottesdienst vor dem Thron des Herrn, jubeln ihm zu und beten ihn an.

Altar

AltarbildMit der Reformation in Ostönnen kam es auch zu einer Neuordnung des Chorraumes. Aus dem Jahr 1683 stammt das Abendmahlsbild, das heute im Nordschiff der Kirche hängt. Dieses Bild wurde als Retabel mit dem Altar verbunden. Ob schon damals der romanische Steinaltar entfernt und durch einen Holzaltar ersetzt wurde, kann man nicht sicher klären. Spätestens 1722 ist ein Holzaltar nachweisbar, da in diesem Jahr die Orgel in den Chorraum gebaut und mit dem Holzaltar und dem Altarbild verbunden wurde.

1959 wurde dieser Holzaltar abgerissen und die darüber befindliche Orgel nach Westen in den Turm versetzt. Der neue Steinaltar konnte nach der damals noch vorhandenen romanischen Tischplatte vermessen und an dem alten Platz wieder errichtet werden.

Taufstein

TaufsteinDer Taufstein ist wohl noch aus der Vorgängerkirche übernommen und an die 1000 Jahre alt. Tief ausgehauen war er ursprünglich mit einem tiefen Becken versehen. Die Taufe wurde durch völliges Untertauchen (Immersio) vollzogen. Außen sehen wir eine rundumlaufende 24-fache Bogenstellung. Diese schlichte Darstellung soll uns an das himmlische Jerusalem erinnern.

Viele Jahre befand sich der Taufstein im Burghofmuseum in Soest. 1964 wurde er restauriert und fand wieder Aufstellung in der Kirche.

 

Kanzel

KanzelDie Kanzel ist eine Stiftung aus der Gemeinde. Bedeutend ist das Relief, das in die Kanzel eingebaut wurde. Die Jahreszahl 1582 erinnert an die Errichtung der ersten Kanzel, und man geht wohl nicht fehl, wenn man damit das Datum der endgültigen Einführung der Reformation in unserem Kirchspiel verbindet. In dieser Zeit war Jacobus Clodius Pfarrer in Ostönnen. Auf ihn geht wohl auch die Gestaltung der Kanzelfüllung zurück.

Das Relief zeigt einen bärtigen Mann, der dem Betrachter Jesus Christus, den gekreuzigten Herrn vorhält. Diese Geste passt genau mit der Botschaft der Reformatoren überein, die den gekreuzigten Herrn Jesus Christus in den Mittelpunkt der Predigt und der Lehre stellten. Betrachten wir dieses Relief, so erhalten wir Aufschluss über die Amtstracht, Talar, Barett und auch über den Bartschnitt eines lutherischen Pfarrers gegen Ende des 16. Jh.