Gemeindebrief März-Juni 2016

Liebe Leserin, lieber Leser,

jetzt ist es amtlich: Am Montag nach der Konfirmation, also am 18. April, wird unsere Andreaskirche ausgeräumt, die Gerüste werden aufgebaut und die Restaurationsarbeiten beginnen. Endlich! Nach den vielen Gesprächen, Diskussionen, Anträgen und Verhandlungen geht es nun wirklich los und wir können sehen, was sich in unserer Kirche tut und welche Schätze sich unter dem Staub und Ruß der Jahrzehnte verbirgt. Ich freue mich sehr.

Ich habe einmal gelesen: Eine renovierte Kirche gibt Anlass, auch das eigene Leben zu renovieren. Das finde ich ist ein schöner Gedanke, denn immer wieder merke ich, wie Menschen auch in unserer Kirche auf der Suche sind nach Beständigkeit und Zuverlässigkeit in einer sich immer schneller verändernden Welt. Wie Kirche Heimat darstellt in einer globalisierten Welt. Wie Menschen aufatmen in der Stille einer Kirche, in der das Geschwätz aufhört und die Überflutung durch die Medien einen nicht erreicht. Befreiend kann ich auch erfahren, dass ich dort aufgenommen werde, wie ich bin, ohne schon wieder den Ansprüchen der Gesellschaft genügen zu müssen.

In Deutschland wächst aber auch die Zahl der Menschen, die sich als religionslos bezeichnen. Sie leben gut auch ohne Gott. Aber auch sie zieht es immer wieder in unsere alten Kirchen. Der religionslose Mensch bleibt nämlich immer auch Erbe des religiösen Menschen. So ist eine alte Kirche immer auch Erinnerung an die Frage nach dem eigenen Ursprung und dem Ziel des Lebens. Eigentlich müsste man sagen, Kirchen sind auch eine Provokation. Sie provozieren, indem sie mich an meinen Ursprung und an mein Ziel erinnern und zugleich mahnend mit ihren Türmen zum Himmel weisen: „Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“ Nichts soll Menschen beherrschen dürfen. Nicht Sorgen und nicht Geld, nicht die Stechuhr und nicht Normen. Gott allein ist Herr und wir können nicht zwei Herren dienen. Eine renovierte Kirche gibt Anlass, auch das eigene Leben zu renovieren.

Ich bin gespannt wie es wird. Ich bin gespannt, was wir finden unter dem Staub und dem Schmutz. Ich freue mich auf viele spannende neue Begegnungen und Erfahrungen. Ich freue mich auf die Gottesdienste in unsrer wunderschönen Andreaskirche, wenn sie im Advent dann hoffentlich neu erstrahlt.

Es grüßt Sie und Euch ganz herzlich

Ihr/Euer Pastor Volker Kluft